Socjologia mody


Gabriela Gondek

Schlichte Zahlen und Formeln



Die Universitätsschwelle übertetend bemerken wir schnell, dass auffallende Frisuren, vielfarbige Kleiderreigen, neueste Trends irgendwo hinter uns geblieben sind.

Es ist schwer, sich des Eindrucks zu erwehren, dass Studenten exakter Wissenschaften die Bemühungen der Stylisten leicht nehmen, und dagegen dem Schulbank-Stil kollektiv treu bleiben, was zusätzlich durch einen Notizblock betont wird, den die Mehrheit von Studenten in der Hand drückt.




     Jener, der glaubt, einen Studenten in der Jacke, Anzugshose oder einen Vertreter des metrosexuellen Stils hier zu finden, liegt völlig falsch. Den Studenten die Stillosigkeit zuzuschreiben, wäre jedoch ein Missbrauch, denn- was man zugeben muss- künftige Mathematiker, Physiker und Chemiker kleiden sich auf eine erkennbare, charakteristische Weise, obwohl sie von aktuellen Trends in der junge-Männer-Mode abweicht.
      Das, was ihren Geschmack determiniert, ist vor allem die Bequemlichkeit. Unter den Studenten ist ein Kleiderset sehr populär, das sich aus einer Bluse oder einem Pullover, einer Jeanshose, Sportschuhen und Rücksack in unterschiedlichsten Schnitten und Farbvarianten.
     Die Kleidungsstücke müssen nicht unbedingt zueinander passen; Tatsache, dass der Verbraucher sich drin ungezwungen und locker fühlt. Auch dass, ob die Kleidung eine Markenkleidung ist, macht den Studenten keinen Unterschied, obwohl man immer noch Personen treffen kann, die Blusen mit riesigem Logo von Sportkleidungsmarken tragen. Es scheint jedoch, dass diese Angelegenheit beim Schuhkauf gewichtiger ist. Entschiedene Mehrheit von Männern hatte Markensportschuhe an. Eine gewisse Überraschung löst Rücksack aus. Eine Tasche- aus Leder, Stoff, Sporttasche oder Aktentasche- ist hier ein seltener Fall. Der Rücksack feiert Triumphe derart, dass es sehr schwer ist, einen Studenten mit einer anderen Ausrüstung zu treffen.




     Die Kleidung der Studenten unterscheidet sich kaum vom jugendlichen Kleidungsstil in der Oberschule. Sie betrachten die Kleidung nicht als ein Werkzeug zur Selbstbestimmung oder Manifestation eigener Identität; unabhängig vom Studienjahr kultivieren sie in diesem Fachbereich übliche Kleidungsschemen- bequeme, unüberlegte Verbindungen.
     Studentinnen widmen der Kleidung mehr Aufmerksamkeit. Ihre Kleidungsstücke sind besser zusammengepasst; sie unterstreichen ihre Schönheit mit einem leichten Make- up, Schmuck, jedoch- was für das ganze Fachberich charakteritisch ist- statt Originalität wählen sie schlichte Kleiderkompositionen und Geschäftsmode lassen sie meistens beiseite. Unter den Mädels lassen sich zwei Kleidungsstile unterscheiden. Studentinnen in den höheren Studienjahren erinnern durch ihre Kleidung an Lehrerinnen, an Personen, die über zwanzig sind.




     Für ihre Kleider sind ruhige, eher dunkle Farben, einfache Schnitte, das Fehlen von Accessories wie modische Gürtel, Anhänger oder große Ohrringe charakteristisch. Zur zweiten Gruppe gehören mehrere junge Frauen, die sich wie die Mehrheit der hiesigen Studenten ähnlich wie in der Schulzeit kleiden. Jeanshose, jugendliche eng anliegende Bluse, manchmal mit Cartoon-Aufdruck, Korallenarmbänder, Lederriemchen ums Handgelenk, eine Tasche oder Rücksack werden am liebsten getragen. Bemerkenswert ist ein solcher Kleidungsstil, der sich hier einer grossen Popularität erfreut, keine Nachahmung der in den Geschäften angebotenen Mode. Die Kleidung ist jugendlich, knüpft jedoch nicht an die aktuellen Trends an.




     Jener Kleidungsstil ist nicht das einzige charakteristische Merkmal der Studenten dieses Fachbereichs. Ein weiteres Kennzeichen, das auf das Gemeinsame hinweist, sind Interessen. Während künftige Mathematiker, Phisiker und Chemiker über ihre Freizeitmöglichkeiten erzählen, kommen sie am häufigsten auf beliebte Musik, Sportart oder Literaturgattung zurück. Hobby, das sich als allgemein beliebt erwiesen hat, ist Musikgeschmack. Wenn in den Korridoren Klänge erschallen sollten, könnte der DJ fruchtlos nach Rockmusik greifen. Gitarrentöne im Zeichen des Rock’n’rolls stehen der Mehrheit der Studierenden am nähesten, und die ab und zu laufenden Hip hop und Popmusik würden die übrigen Fans von Gleichungen und Formeln in gute Laune versetzen.




     Eine Einstimmigkeit herrscht auch bei der Bücherwahl. Vielleicht liegt es an der Besonderheit der Studienruchtung, die Konzentration und analytisches Denken erfordert, dass die Studenten in der Freizeit am liebsten in die phantastische Welt der Science-Fiction-Literatur fiehen, oder versuchen mit Hitchcockscher Eifer gemeinsam mit dem Hauptheld einen Kriminalfall zu lösen. Es ist bemerkens- und nachahmungswert, dass das Bücherlesen als eine Freizeitmöglichkeit eine entschiedene Mehrheit der Studenten wählt.
     Ausser Musik und Büchern widmen viele Studentinnen und Studenten ihre Freizeit den Interessen, die zwar weniger populär, aber interessant und aufmerksamkeitswert. Japanisch, Militaria, Astrologie, Aqaristik, Pianospiel, Ju-jitsu sind einige Beispiele für solche Hobbys.
     Während man Freizeitbeschäftigungen und Interessen der Studenten kennen lernt, kann man bemerken, dass sie ihre Kleidungsweise in einem gewissen Masse bestimmen. Am meisten wird die Vorliebe für Musik manifestiert. Besonders auffällig ist das unter Rock- und Heavy- Metal- Fans. Personen, die jene Musikgattungen bevorzügen, richten sich nicht nach der Mode, sondern entwickeln ihren eigenen, etwas nachlässigen Stil, für den Blusen und T-Shirts mit Namen der Musikbands, dunkle Kleider und lange Haare charakteristisch sind. Der Einfluss der Liebligsmusik auf die Kleidungsweise ist jedoch keine Regel. Unter den Studenten, die gerne Hip-hop oder scharfe Musik hören, gab es auch Personen, deren Kleidung auf keine Weise solche Interessen verraten hat.
     Andere Hobbys finden in der Kleidung keine besonders grosse Widerspiegelung. Als eine Ausnahme lässt sich ein Student –Militariafan -betrachten, der durch seine Kleider sehr deutlich eigene Interessen repräsentiert. Was die anderen Studentinnen und Studenten angeht- es wäre schwer zu bestimmen, wofür sie sich interessieren könnten, und welche Wesensart hätten.



     Durch die Analyse der Kleidungsweise und angegebenen Interessen kann man zur Schlussfolgerung kommen, dass Mathematik-, Phisik- und Chemiestudenten pythagoreische Harmonie hochschätzen. Regenbogenfarben kann man hier in ihren Studienbüchern finden, und nicht an ihrer Kleidung.
     Das Fachbereich ist kein Modesalon, kein Raum, in dem junge Leute durch ihr Aussehen und Verhalten Originalität manifestieren. Jedoch, was man bemerken muss, hinter dem Schulstil in der Lebens- und Kleidungsweise verbergen sich Persönlichkeiten mit nicht schablonenhaften Interessen und Hobbys.