Socjologia mody


Magdalena Hada³a

Wie das Interesse die Kleidung bestimmt



Der Campus der Philologischen Fakultät wird nicht selten zum Laufsteg. Frauen befinden sich auf der Suche nach einem eigenen weiblichen Stil, Männer tragen leger was sich gerade bietet. Geschätzt wird Individualität ohne übermäßige Extravaganz.

     Ein bedeutender Teil der Fremdsprachenstudenten zeigt ausdrückliches Interesse an fremden Ländern und Reisen. Meistens deckt sich das Objekt des Interesses mit der gewählten Studienrichtung (die Studenten der slowakischen Philologie interessieren sich für die Slowakei, die Anglisten z.b. für Großbritannien). Allerdings gibt es auch Studenten, die diesem Schema nicht entsprechen: so lernt z.b. eine Germanistikstudentin nebenbei noch Arabisch, eine Anglistikstudentin träumt von einer Reise nach Finnland, ein Student der serbischen Philologie entdeckt für sich die japanische Kultur. Die Neigung zu solchen zum Teil exotischen Ländern und Sprachen mag auf die Tatsache zurückzuführen sein, dass das Angebot an Studienrichtungen der hiesigen Philologischen Fakultät eher begrenzt ist. Etliche Studenten studieren eine Sprache und lernen eine andere auf eigene Faust, und so frönen sie der eigenen Leidenschaft außerhalb der Studienzeit.
     Wie es scheint, drücken die künftigen PhilologInnen ihr Interesse am jeweiligen Land kaum durch ihre Kleidung aus. Weder spielen sich die Germanisten mit deutschen Labels auf, noch tragen die Italianisten italienische Schuhe. Nur selten hat man Kleinigkeiten mit dabei, wie eine Federtasche oder ein Stift mit dem Emblem eines Landes. Fast die Hälfte der Philologiestudenten beschäftigt sich mit Sport. Dabei handelt sich um kein oberflächliches Interesse, denn es werden konkrete Disziplinen genannt: Radsport, Skifahren, Fußball, Kampfsportarten usw. Die Studenten kleiden sich auch gewöhnlich bequem-sportlich und damit entsprechen sie dem allgemeinen Modetrend unter jungen Leuten.
     Praktisch ist sportliche Kleidung gleichbedeutend mit einer Jeans, die buchstäblich fast jeder auf dem Campus trägt. Genauso beliebt sind sportliche Schuhe in dunklen Farben (hauptsächlich graubraun). Andererseits bemühen sich viele Mädchen, die banalen Jeans durch verschiedene Accessoires attraktiver zu machen (Gürtel, Applikation, elegantes Schuhwerk, hochgekrempelte Hosenbeine). Kennzeichnend für die Fakultät ist ein krasser qualitativer Unterschied zwischen dem Kleidungsstil der Frauen und Männer.
     Einfacher ist es, die Kleidung der letzteren zu beschreiben. Außer einiger Ausnahmen kleiden sich die Männer vollkommen unbedacht. Wie es scheint, wollen sie durch ihr Aussehen nichts mitteilen. Trotzdem lassen sie sich in zwei Gruppen unterteilen. Die meisten haben langgezogene Sweatshirts und lässige Hemden an.





Die zweite Gruppe, eine Minderheit, trägt einen „metrosexuellen“ Look, der durch eng anliegende Pullis und T-Shirts gekennzeichnet wird. Anders als die Oberstufenschüler färben Studenten ihre Haare nicht.
     Vor diesem Hintergrund hebt sich ein Foto ab. Der fotografierte Student kleidet sich nur scheinbar nonchalant, ist in Wirklichkeit aber ziemlich sorgfältig im Stile eines Außenseiters vom Typ Bob Marley gestylt (Dreadlocks, rastamäßige Wollmütze, viel Grün, sogar der Zigarettenrauch).




Bei den Mädchen erleben wir eine dramatische Suche nach einem individuellen Stil. Zwar ist das keine absolute Regel, aber je älter der Jahrgang, desto mehr nähern sich die Studentinnen einem „weiblich-schicken“ Stil an. Darunter ist eine geschmackvolle, nicht übermäßig extravagante Kleidung zu verstehen, die die Weiblichkeit betont (elegante Stoffe, korrekt zusammengestellte Farben, angepasstes Make-up und Schmuck). Die jüngeren sind bemüht, originell auszusehen, aber meistens reproduzieren sie Muster aus den Frauenzeitschriften. Die Studentinnen der ersten Semester fallen nicht nur deswegen auf, weil sie jung aussehen.





Bei den älteren Studentinnen trifft man auf keine grellrosa Jacken, Haarklemmchen und toupierte Haarknoten, die im Gymnasium noch durchaus akzeptabel waren.





     Um die Situation der Studentinnen in der Modelwelt zu definieren, könnte man Baumans Differenzierung zwischen „Touristen“ und „Vagabunden“ verwenden. „Touristinnen“ sind jene Studentinnen, die sich in dem Modebereich locker und souverän bewegen. Sie nutzen neue Trends und Möglichkeiten, um sie in den eigenen kohärenten Stil zu integrieren. Mit ihrer Kleidung betonen sie ihren Individualismus, und der zählt auf dem fremdphilologischen Campus.





Die „Vagabunden“ sind auch in Bewegung, aber sie irren eher umher. Auch sie versuchen, sich Klasse anzuziehen, aber auf der Suche nach Originalität kopieren sie oft banale Muster.
     Vor allem aber arbeiten die Mädchen an ihrem Aussehen. Ganz im Gegenteil zu den Jungs, die den Eindruck machen, als ob sie vollkommen zufällige Kleider kauften und sich überzögen. In der Regel kleiden sich die PhililogInnen mit Phantasie und viel bunter als z.b. die SoziologInnen. Graubraune, grauschwarze, schmutziggrüne Kleider sind kaum zu finden. Obwohl die Bilder im Winter aufgenommen wurden, dominieren warme Farben, auch solche, wie Rot und Türkis. Was die Stoffe angeht, erfreut sich außer dem bereits erwähnten Jeans auch die Trikotage einer großen Popularität.
     Nur ungern lassen sich die StudentInnen mit Attributen, wie einem Stapel von Handouts oder einem Buch fotografieren, obwohl sie sich für Literatur interessieren und sich damit alltäglich beschäftigen. Dafür nennt praktisch niemand, gefragt nach ihren oder seinen Interessen, Computer oder Internet.
     Viele der StudentenInnen lieben Musik - besonders Rockmusik - drücken dies aber selten in der Kleidung aus. Skater- und Metallfans, die sich streng nach den Geboten der Subkultur anziehen, muss man mit der Lupe suchen. Wenn, dann sind es nur Einzelpersonen und nicht ganze Gruppen, wie sie bei den Mathematikern öfter vorkommen. Vielleicht weil Jungen häufiger als Träger einer Subkultur auftreten und Mädchen an der Fakultät in großer Mehrheit sind.
     Weiter sind die Fremdsprachenstudenten meistens kommunikativ, gesprächig und haben wenig Probleme, Kontakte aufzunehmen. Die gelernte Fremdsprache verleiht ihnen die Selbstsicherheit, die sie in der Zugehörigkeit zu einer Subkultur nicht suchen müssen. Es lässt sich sogar mutmaßen, dass --- Subkulturen bei den Philologen nicht toleriert werden. Eines der befragten Mädchen bezeichnete sich als Heavy-Metal-Fan. In ihrer Kleidung gab es zwar Elemente, die darauf deuten würden (Nietengürtel, schwarze Jacke und schwarzer Schal), aber aufs Ganze gesehen war ihr Aussehen untypisch für die Metallszene. Vielleicht ging sie also auf einen Kompromiss ein, um an der Fakultät nicht allzu sehr aufzufallen.